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Comments (0) MegaTrend.

Neue Einkaufslandschaften brauchen Zukunftsfitness

Der Kundenmix von morgen wird sich massiv verändern – verändern Sie mit!

Sprechen Sie schon BRICMIST? Haben Sie Ihre neuen Vokabeln gebüffelt? Bradesco, Itau Unibanco, Sinopec oder CNOOC können Sie bald schon wieder vergessen. Die neue Sprache der Welt heißt: Femsa, Gudang Garam, Posco oder Enka. Nichts verstanden? Das ist schlecht. Denn hier rollt ein massiver Megatrend auf uns zu.

Dass die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) mit 117 Unternehmen auf dem aktuellen Ranking des Financial Times Global 500 vertreten sind, mag überraschen. Dass dies aber fast eine Verdoppelung seit 2008 bedeutet, zeigt wohin die Entwicklung geht.

Hochgerechnet für 2014 könnten dann – bei dieser rasanten Aufholjagd – schon mehr als die Hälfte der erfolgreichsten Großunternehmen aus den BRIC-Staaten kommen. Aber das ist noch nicht alles.

Analysten haben bereits die MIST-Staaten entdeckt (Mexiko, Indonesien, Südkorea, Türkei) und vom teuersten Werbeplatz in Europa am Piccadilly Circus strahlte mal Daimler, nun sendet Hyundai für 5 Millionen Pfund im Jahr seine Botschaften.

Was sagt uns das? Neue Kunden, neue Strukturen, neue Kulturen, neue Themen.

Dass mit dieser Verschiebung nicht nur die Zielländer für deutsche Unternehmen attraktiver werden, sondern deren Großkonzerne zunehmend in Europa aktiv werden. Was strategisch bisher eher durch Übernahmen deutscher Unternehmen vonstatten geht, wird mittel- bis langfristig auch mit eigenen Produktionsstandorten in Deutschland fortgesetzt werden. Ein völlig neues Klientel mit ganz anderen Beschaffungsstrukturen betritt dann die Bühne.

Die ersten sichtbaren Vorboten stammen aus China. Zwar schon fast ein alter Hut, zeigt sich daran jedoch ein strategisches Muster für zukünftige BRICMIST-Szenarien. Die Firma Putzmeister wird als „ur-deutsch“ wahrgenommen, ist aber in chinesischem Besitz.

China baut zwar bereits zuhause die meisten der 17 Seltenen Erden ab, die als Grundstoffe für die meisten heutigen High-Tech Entwicklungen im Bereich Mikroelektronik oder für das Elektroauto benötigt werden. China hat sich aber auch in Afrika die wichtigsten Vorkommen gesichert. In Grönland finanziert das Land jetzt aktuell den Abbau essentieller Spezialmetalle der Computertechnologie. Der Westen hat dort das Wettrennen schon verloren.

Zu spezifisch?

Nun, für den Einkauf wird es in diesem Bereich immer enger. Und der Run der anderen Boom-Staaten auf die Vorkommen dieser Welt hat noch nicht einmal richtig begonnen.

Beunruhigend ist eher die Geschwindigkeit der langfristigen Einkaufsstrategie. In Afrika war sicher hilfreich, dass zwei nicht-westliche Partner ohne große demokratische Abwägungen ins Geschäft gekommen sind. Doch lehrreich ist, dass so neue Abhängigkeiten entstehen, die es dem Westen schon in naher Zukunft erschweren – und auch verteuern – werden, den Rohstoffbedarf in den sensibelsten Branchen zu sichern, die unsere Zukunft gestalten sollen.

Und Vorsicht: Diese neuen Wirtschaftsmächte können auch Qualität! Es ist ein grassierendes Trugbild, dass Qualität „Made in Germany“ bleiben muss. Die Güte von Produkten und die Wettbewerbsfähigkeit auf europäischen Märkten werden rasant zunehmen. Als Vorreiter und Rollenmodell steht die Textiltechnologie von KTC. Schon seit den 70er Jahren exklusiver Schneider für adidas, wirbt zum Beispiel das „swiss engineered“ Outdoor-Label mountain force auf seiner Homepage nicht nur für ethische „fair wear“, sondern auch für die exzellente Top-Qualität des Hauses KTC – offensives Marketing mit „Made in China“ im Hochpreissegment.

Zu exotisch?

Nun, als Schlüsselindustrie für die Reifung von Industriestaaten dient Bekleidung seit jeher als Katalysator. Sie ist Sinnbild für einen heute schon ablesbaren Qualitätssprung, der das Image des ausbeuterischen sweat-shops in Zukunft überstrahlen könnte.

Völlig neuer Kundenmix

Was bedeutet das für Beschaffungskonzepte?

Wer als Mittelständler oder Zulieferer deutscher Unternehmen heute schon vorausdenkt, bereitet sich auf einen völlig neuen Kundenmix vor. Da muss auch der Einkauf neue Landschaften betreten. Nur wer sich im neuen Terrain bestens auskennt, weiß, wie der Hase läuft.

 

Konkrete Tipps vom TRENDBEOBACHTER:

Betreiben Sie extensives Messe-Monitoring. Dort tummeln sich an kleinen Boxen heute schon große Player von morgen.

Schließen Sie sich doch mal einer Wirtschaftsdelegation an und lernen Sie aus erster Hand vor Ort, welche Themen wichtig werden. Überhaupt sollten „Lernreisen“ in den Pflichtenkatalog des Einkaufs aufgenommen werden.

Mit diesen Schnupper-Touren macht dann auch der nächste Baustein Sinn: Cross-Cultural-Training.

Sie werden überrascht sein, dass ein Firmenvertreter aus einem fernen Land oft vertrauter sein kann, als einer aus der europäischen Nachbarschaft. Nicht die Kultur ist das Amalgam, sondern gemeinsame Ziele. Bauen Sie Berührungsängste ab!

Engagieren Sie doch beim nächsten Mal einen Praktikanten aus Indien oder Südkorea. Allein dieser Kontakt könnte irgendwann das Sprungbrett zu neuen Kontakten werden. Und Ihre Heimatmannschaft baut gleichzeitig Hemmschwellen mit fremden Kulturen ab.

Lenken Sie Ihr Unternehmen doch kurzfristig von einer Filiale in China oder einem anderen wichtigen Stützpunkt aus. Das setzt klare Signale an die Mitarbeiter der Niederlassung und sendet wichtige Impulse zurück an den Firmensitz: Veränderung findet statt. Heute, hier, jetzt – und ich verändere mit!

 

 

Zu weit hergeholt?

Bei all diesen Entwicklungen wird das Potential des Einkaufs chronisch unterschätzt. Der Einkauf ist Vorreiter: früh am Markt, nah an den Ressourcen und dicht am Zulieferer.

Ein zukunftsfitter Einkäufer hat oft weltweit exzellente Kontakte. Er weiß, was Qualität bedeutet, welchen Preis sie hat und er versteht viel von Technik. Er ist Experte für Transfer zwischen Bedarf und Marketing.

Der Einkauf ist ein strategischer Brückenkopf für die Kunden von übermorgen.
Ein guter Einkäufer kann auch gut verkaufen.
Er kann anderen Abteilungen Orientierung bieten, Innovationen mitgestalten.
Laden Sie Ihre Beschaffungsmannschaft zur nächsten Strategiesitzung ein.
Brechen Sie Regeln, trauen Sie sich an neue Segmente – das kommt langfristig auch Ihren traditionellen Kunden zu gute.

Und:
Betreiben Sie TRENDBEOBACHTUNG, damit Sie früh wissen, wie der Hase läuft!

 

DER TRENDBEOBACHTER für die wichtigste „Einkäufer-Zeitung“ beschaffung aktuell, veröffentlicht in der Dezember-Ausgabe 2012.

Sind Fragen offen?

Sicher, denn Veränderung ist nie zu 100% klar – zu 100% berechenbar. Mathias Haas ist kein Trendforscher und kein Zukunftsforscher… der Redner und Moderator ist DER TRENDBEOBACHTER.
Mehr unter www.trendbeobachter.de

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