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Comments (0) MegaTrend.

4. Stopover, Guangzhou: Schneller alt – als reich

DER TRENDBEOBACHTER hat sich verabschiedet, aber hat Mathias Haas auch jemand verstanden? Hat der Redner und Moderator die Megacity verstanden?

Wie schon bei der World Tour vor etwa acht Jahren (einmal um die Erde ohne Flugzeug, mit sechs Wochen in diesem Lande) war China auch dieses Mal schwer zu verstehen. Das liegt ganz sicher am Sprachniveau des Sprechers, denn er spricht noch weniger Mandarin als Französisch. Es liegt bestimmt auch an deren Sprachkenntnissen – selbst in 5 Sterne Hotels. Anderseits liegt es eben auch an der Kultur und am System. Schlussendlich war es nirgends so schwer Interviews zu machen wie hier.

Ergebnisoffenes Beobachten zeigt: China an sich ist der Megatrend

Nach der Definition von Mathias Haas und seinem Team wurden keine radikal-neuen Megatrends identifiziert. Tatsächlich ist das ganze Land ein gelebter Megatrend! Hier sind die Gewohnheiten völlig neu codiert – der Veränderungswahn dreht sich in vollem Umfang. Die Rituale des täglichen Lebens sind unseren sehr, sehr ähnlich – selbst Reinigungsroboter sind im Handel!

beim Saturn der Chinesen - nur eben deutlich größer

beim Saturn der Chinesen – nur eben deutlich größer

Was für ein Wandel in einem Leben! Die Menschen, die hier in Guangzhou leben, haben wohl in ihrer Jugend noch Reis angebaut.

 

 

Wer soll die Landflucht stoppen?

 

 

Laut China Daily, einer regierungsnahen Zeitung, verdienen Familienmitglieder aus ländlichen Regionen 49.668 chinesische Renminbi (CNY) wenn Sie außerhalb der Landwirtschaft arbeiten. Das entspricht knapp über 8.000 EUR pro Jahr. Meist sind das Jobs in der Verwaltung oder in Büros. Bei der anderen, traditionelleren Lebensweise auf dem Feld liegt das Durchschnittseinkommen bei 21.905 CNY, etwa 2.687 EUR (=7,36 EUR/Tag). Also auch hier gilt: Die Megacity, die Metropohlregion mit über 10 Millionen Menschen ruft!

Doch Moment mal! Wenn – wie in vielen Ländern – die Landwirtschaft kaum noch Status und Verdienstmöglichkeiten hat – wer ernährt dann die riesige Bevölkerung? Wer ernährt Singapur? Und Hongkong? Wer pflückt die Äpfel für deutsche Supermärkte? Wer ernährt die Japaner und wer erntet beim ungeliebten Nachbarn die Früchte und das Gemüse? Denn genau dort ist heute schon eine Vielzahl an chinesischen Landwirten „auf Arbeit“. Der Grund? Japan ist das „älteste“ Land der Welt, die Landwirtschaft kollabiert, denn junge Menschen gehen lieber ins Büro. Und dramatisch ist, dass China noch älter wird, wohl auch uns überholt. Der demografische Wandel treibt sein Unwesen – Deutschland ist in guter Gesellschaft.

China wird schneller alt, als reichP1070817

In Mega-Metropolen wie Guangzhou reizt der Lifestyle zwischen Mercedes, Samsung und Starbucks. Brands, Brands, Brands – as usual. Doch hier scheint das ultimative Spielfeld die Markenbindung zu sein. „Der Chinese an sich“ wechselt sehr gerne mal die Lieblingsmarke. Er und vor allem sie zieht dann weiter – zum nächsten Hype. Jetzt trat die hiesige Präsidentengattin mit einer chinesische Handtasche auf, und prompt liegt diese im modischen Supertrend. Der Preis hat sich in wenigen Wochen verdreifacht – so funktioniert Marktwirtschaft. Doch solche Beispiele sind noch selten!

Unsere Statussymbole funktionieren großartig

Unsere Statussymbole funktionieren großartig

Unsere Statussymbole funktionieren großartig

Gleichzeitig mangelt es weiter an Qualität – zumindest wenn man die brandneue Oper von Guangzhou ansieht. Die weltbekannte Architektin Zaha Hadid war am Werke, seit drei Jahren ist das Haus offen. Hoffentlich hat sie das fertige Gebäude nie gesehen! Bei starkem Regen, so wie jetzt gerade, läuft das Wasser in Bächen (!) im Innenraum an den Wänden herunter! Die Baumängel sind verheerend. Auch beispielsweise am riesigen Flughafen von Guangzhou ist das sichtbar.

Ein Sonderfall? "Wassereimer" hat Mathias Haas oft gesehen

Ein Sonderfall? „Wassereimer“ hat Mathias Haas oft gesehen

Oft ist unser System nicht besser

Wie war das noch in Berlin? Ist der Airport Schönefeld jetzt betriebsbereit? Wie war das in Mainz? Wie kann ein ICE seit März 2007 verloren gehen und als „unidentifizierter ICE“ wieder auftauchen?

KTC, der führende Hersteller von Outdoor-Marken wie Mammut, zeigt jedoch genau das Gegenteil. Der ehemalige (?!) Österreicher Gerhard Flatz hat mir jede Ecke gezeigt. Er hat die letzten Winkel seiner Produktion aufgemacht – DER TRENDBEOBACHTER konnte sich ein Bild machen von der Akkordarbeit, vom Lager, von der Kantine, von den eigenen Tests, von „Made in China“.

„Made in China“ kann auch Premium sein

Und ja, so kann Mathias Haas getrost eine Jacke kaufen und auch gerne anziehen, so geht das! Doch auch Flatz hat seine Herausforderungen, denn seine Fabrik liegt am Rande der Stadt. Zwar hat die Fahrt vom Flughafen zu seinem Textilwerk noch vor acht Jahren sieben Stunden gedauert – über Stock und Stein quasi, heute sind es 1,5 Stunden. Doch heute ist genau das ein Problem. Die potentiellen Mitarbeiter sind mobiler und pendeln in die Innenstadt. Die denkbaren Näherinnen, die durchaus 600 bis 900 EUR im Monat verdienen können, möchten lieber in schicke Büros. Die wenigen jungen Menschen verkaufen eher KFC-Fastfood per Mofa als sich in eine Fabrik zu setzen. Und so zieht die Karavane weiter – KTC hat heute schon genauso viele Mitarbeiter in Laos wie in China, je 2.500 Menschen. Doch bietet weder Laos noch Vietnam oder Burma die Qualität wie die Menschen hier rund um Guangzhou.

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Automatisierung erreicht auch China. So prophezeit Mathias Haas auch dem Giganten der globalen Weltwirtschaft eine zunehmende Automatisierung! Live und in Farbe hat DER TRENDBEOBACHTER auch die zweite Firma von Gerhard Flatz besucht – eine Haushaltswarenproduktion. Und auch wenn Streiks in China offiziell verboten sind, auch wenn Mathias Haas diesen Bereich nicht selbst gesehen hat – als der Zukunftsexperte vor Ort war, just in diesem Moment war Streik. Die Arbeitsniederlegung betraf Polierer –  Menschen also, die unsere mattierten Kaffeekannen, Schalen oder Besteck aufhübschen. Diese Spezialisten sind eben rar, und das Streiken funktioniert wunderbar. Die Herren sitzen auf den Boden bis das Gehalt steigt. Keine schlechte Lösung.

Dieser Herr arbeitet noch

Dieser Herr arbeitet noch

Die Anspruchshaltung steigt, die Gehälter werden hoch gehen. Zum Glück? Bis zum Umfallen? Mathias Haas weiß zu wenig, um wirklich pauschal das Gehaltsgefüge zu beurteilen, doch schon heute sind die Gehälter locker 10x höher als in Bangladesch… Schon heute reisen die wirklich reichen Chinesen nicht nach Sanya – dem Hawaii der Chinesen – sondern ins Ausland.

Die Zahlen sind enorm!

Doch China wird – wenn auch nicht reibungslos – stark bleiben, alleine schon durch die unfassbare Binnennachfrage. Und durch die ungewohnten Größenordnungen. So gibt es beispielsweise 1.647 Werften, 1.647 nur auf dem Festland!

Die Disziplin ist hoch, die Lernkurven stark

Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Wettbewerb unter den Millionen von Menschen weiter unfassbar hoch bleibt – dass das System Entscheidungen „durchjagt“ und dass die Macht im weltweiten Gefüge den Motor weiter antreiben wird. Und ganz ehrlich: Im Vergleich zu Jakarta oder Delhi ist Guangzhou fast ein Paradies. Wenn nur die Menschen etwas mehr lächeln würden… oder könnten? Oder ist das nur wieder das kulturelle Defizit, die Wissenslücken von Haas, dem TRENDBEOBACHTER?

Kommentieren Sie! Schreiben Sie! Mathias Haas ist Spezialist für Megatrends und Wandel – nicht für „cross-cultural communication“. Der Sprecher und Moderator möchte Menschen die Angst vor Wandel nehmen. Haas unterstützt Organisationen und deren (zukünftige) Entscheider bei deren Training der Zukunftsfitness. Denn es macht deutlich mehr Spaß zu verändern, als verändert zu werden!

www.trendbeobachter.de

www.play-serious.org

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